For the repressive forces of Nazism and the uninhibited creativity of jazz to co-exist may have seemed an impossibility, but jazzmen kept many aspects of their music happening throughout World War II in countries such as Belgium. The resulting gigs, recordings, and performing careers acquired an additional level of interest from intrigue alone. Stan Brenders would stand on-stage in Brussels in the late '30s and announce that the next tune was going to be "Sept, et avec un combination avec onze," knowing full well the Nazi censors wouldn't be able to follow the pigeon French reference to the real song title, "Seven Come Eleven," which like most swing numbers had been decisively banned from either radio or live airplay. The Nazis had banned jazz itself, but since most of them really didn't know what it was supposed to sound like, the song titles were an all important form of identification, something like the equivalent of a Star of David. Brenders, a big band leader and conductor, is one of the original cast of characters from Belgian jazz history, which seems to start sometime around the late '20s when Charles Remue & His New Stompers Orchestra went into a London recording studio to cut the first Belgian jazz recording. The pianist in the band was Brenders, swinging alongside other Belgian jazz pioneers such as drummer Harry Belein, tenor saxophonist and clarinetist Gaston Frederic, and bassist Remy Glorieux. Although considered to be one of the best European jazz bands of the '20s, the group, under the direction of clarinetist and alto saxophonist Remue, stayed together a bit less than a year, following which Brenders began concentrating on fronting his own group. By the mid-'30s, he was conducting the Belgian State Radio Orchestra, also known as l'Orchestre Jazz de l'INR. As the war progressed, it became more and more necessary to create diversionary tactics in order to prevent undue attention being focused on jazz, including the previously described camouflage of American song titles in order to sneak by Nazi censorship. One of the great victories of jazz against the fascists came in spring of 1942, when the Brenders band backed eight performances in Belgium by gypsy guitarist Django Reinhardt, all of the activity organized strictly guerilla style in outright defiance of the Nazi edict against swinging music. But with the defeat of the swastika crowd, Brenders' music became less and less swinging, with increasing use of schmaltzy strings. While jazz listeners are likely to crash into Brenders and his orchestra in the front aisle of any Django Reinhardt collection, other examples of the Brenders sound are featured on compilations of European dance bands. ~ Eugene Chadbourne, All Music Guide
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Das Leben von Stan Brenders bleibt eine unvollendete Sinfonie" (Juul Anthonissen 1969) Am 31. Mai 1904 wurde in Brüssel der große Belgische Bandleader geboren, dessen Karriere und Musik eng an den belgischen Rundfunk gebunden sein sollte. Sie begann 1926 glänzend mit Musikpreisen bereits während des Klavierstudiums am königlichen Konservatorium in Brüssel. Doch zog es den vom "Jazzbazillus" gepackten Stan Brenders in die Unterhaltungsmusik: Zu dieser Zeit übernahm er den Klavierpart im Orchester von Jeff Candrix, in dem auch dessen jüngerer Bruder Fud Candrix das Saxophon spielte (dokumentiert auf mehreren CDs der Edition Antikbüro). 1927 gelangte Brenders zum Orchester Chas Remue. Eine Tournée nach London brachte auch erste Schallplattenaufnahmen im Stile der New Orleans Rhythm Kings, der Band mit Eddie Condon. Stan Brenders versuchte sich mit einer eigenen Band im "Savoy" in Brüssel, ab 1932 wurde er dann erster Pianist im Rundfunk-Sinfonie Orchester Brüssel unter der Leitung von Franz André. Das 92 Mann starke Orchester erregte Aufsehen mit der Interpretation von Gershwin-Konzerten. So schrieben damalige Kritiker, daß das große Orchester aus dem wilden Jazz eine elegante Lady gemacht habe. Als 1935 das Jazz-Sinfonie-Orchester des Radio Brüssels gegründet wird, trägt man Stan Brenders die Leitung an. Um ein perfekter Bandleader zu werden, kehrte er an das Konservatorium zurück, wo er entsprechende Kurse bei Prof. Defauw als Primus absolvierte. Ab 01. Januar 1936 ging die Band auf Sendung, Stan Brenders und seine Mannen hatten großen Erfolg, einige der Musiker der ersten Stunde blieben als Dauerbesetzung während des Bestehens der Brenders-Band ihrem Chef treu. So finden sich bereits der Pianist John Ouwerx und der Drummer Josse Aerts sowie einige Musiker der Bläsergruppen im Tanzorchester. Abends für die Sendung "Eine halbe Stunde für den Jazzliebhaber" stand eine Auswahl der internationalen Erfolge von Count Basie, Benny Carter, Jimmie Lunceford aus dem im Laufe der Jahre 1500 Titel umfassenden Repertoire auf dem Programm. Erste Plattenaufnahmen erfolgten 1938 in guter Jazzmanier. Josse Aerts: "Für uns waren Jimmie Lunceford und Count Basie die großen Vorbilder, nicht etwa Benny Goodman oder Glenn Miller, die für unser Gefühl viel zu glatt spielten." So wurde das Brenders-Orchester rhythmisch sogar mit der Band von Count Basie verglichen. 1939 kam es zu einem internationalen Jazzband-Wettbewerb mit den niederländischen Ramblers von Theo Uden Masmann, den allerdings die Ramblers gewannen. Dennoch verhielt sich Masmann später diplomatisch auf die Frage, wie ihm denn das Orchester von Stan Brenders gefiele, antwortete er, daß er noch nicht Gelegenheit hatte, die Band zu hören, aber Jean Omer (ein Bandleader-Kollege von Brenders) ganz prima sei... Bis zur Besatzung durch deutsche Truppen während des 2. Weltkrieges spielte das große Tanzorchester Stan Brenders fast ausschließlich amerikanische Nummern, ergänzt mit Eigenkompositionen der Solisten oder von Brenders selbst. Doch 1940 wurde die Musik als "jüdische Negermusik" diffamiert, Brenders mußte am Rundfunk flämische Weisen interpretieren und sollte sich mit deutscher Operette befassen. Seinem Trompeter Georges Clais gab er den Auftrag, ein modernes Arrangement zu Franz Lehárs "Vilja-Lied" zu schreiben: Skandal! Doch sollte es Stan Brenders gelingen, Ende 1940 mit deutschen Schlagern in modernem Arrangement erste Aufnahmen für die Berliner Telefunken-Schallplatte zu machen. Da Telefunken über mobile Aufnahmeeinheiten und modernste Technik verfügte, entstanden sagenhaft dynamische Aufnahmen des großen Tanzorchesters Stan Brenders, das neben den üblichen Jazzsolisten durch 14 Streicher verstärkt wurde. Besetzung vom 21. November 1940: Constant (Stan) Brenders (ld, frontman), Robert de Kers, Raymond Chantrain, Eugène Vanderborght (tp), Jean Damm, Sus van Camp (tb), Jeff van Heerswingels, Louis Billen (as, cl), Jack Demany (ts, cl), Arthur Saguet (bars, cl, ts), John Ouwerx (p), Jim Vanderjeught (g), Arthur Peeters (b), Josse Aerts (dm), zusätzlich 14 Streicher. Das Angebot umfaßte auch zwei amerikanische Titel ("Well All Right" Track 2 und "And The Angels Sing" Track 10), die im Frühjahr 1941 für Exportzwecke veröffentlicht wurden. In Deutschland war diese Platte nur auf Bestellung und ohne vorherige Hörprobe zu kaufen. Noch waren die USA nicht im Krieg gegen Deutschland, somit handelte es sich noch nicht um "feindstaatliche Musik". Doch auch davon ließ sich Stan Brenders nicht weiter beeindrucken: Ähnlich wie seine deutschen Kollegen auch erfand er Phantasietitel verbotener Stücke und nahm sie teilweise sogar auf Schallplatte auf, so zum Beispiel im Mai 1942 "Bal du Rythme" mit dem französischen Klarinettisten Hubert Rostaing. Das Original muß "At The Jazz Band Ball" heißen (Track 15). Bei der Aufnahme von dem Pinetop-Smith-Klassiker "Boogie Woogie" (Track 23) zeigt die Rhythmusgruppe, was sie kann. Besonders der Pianist John Ouwerx fällt mit seinen Siglenotes auf, die in starkem rhythmischen Kontrast zum synkopierten Schlagzeug von Josse Aerts stehen. Perfektes Teamwork aller Bläser, besonders im rhythmischen Bluesriff der Trompeten, runden den jazzigen und gleichzeitig tanzbaren Eindruck der Aufnahme ab. Bei späteren Aufnahmen wurde Robert de Kers durch den Arrangeur und Trompeter Georges Clais ersetzt, eine dritte Posaune gespielt von Jean Douillet kam hinzu. Auch erfolgten ab 1942 zunächst keine Aufnahmen mit Streichersatz mehr. Es kam zur Kooperation mit dem legendären Gitarristen Django Reinhardt, der mit dem Orchester mehrere Konzerte gab und auch einige Plattenseiten bespielte, darunter auch "Éclats de cuivre" (Track 22), eine Komposition von Brenders. Immer wieder fallen die eigenwilligen Arrangements des Orchesters auf, die sich so "uneuropäisch" präsentieren: Offbeat, Solistik im Dialog Trompete - Saxophon, rhythmische Breaks und riffartige Bearbeitung einfacher Schlagermotive heben auch die simpelsten Melodien auf swingendes Jazzniveau: "Im Wachen und im Träumen" (Track 3) ist so ein simples kurzes Motiv, das erst im dramaturgisch perfekt zelebrierten Riff zu einer modernen Tanzmusik wird. "Inspiration" (Track 17) von 1943 wird vom Autor des Stückes Georges Clais in bester Harry James Manier auf der Trompete präsentiert, die Band folgt als "Klangteppich" den amerikanischen Vorbildern und hebt in ihrer Zurückhaltung die Trompete in den Vordergrund. Auch werden modernste Einflüsse hörbar in dem Stück "Tout atout" (Track 25). In den sechziger Jahren erklärte Stan Brenders, daß er seinen amerikanischen Kollegen Stan Kenton bewundere, was man bei "Tout atout" auch schon heraushört. Ähnlich wie Stan Kenton in seinen frühen Aufnahmen von 1942 rhythmisch synkopierte Einwürfe in die Solistik von Klarinette, Saxophon und Trompete einarbeitet, folgt diese Improvisationskomposition aus der Feder von Georges Clais diesem Schema: Das Altsaxophonsolo ist völlig losgelöst von hergebrachten virtuosen Harmoniefolgen, fast schon in Art des Be-Bop gespielt, genauso, wie auch Jack Demany mit dem weich geblasenen Tenorsax umgeht. Einwürfe vom Blech und der Klangteppich des Saxophonsatzes geben der Aufnahme wieder eine kontrastierende erdige Bodenständigkeit. Es ist ein Vorgriff auf den progressiven und modernen Jazz! Eine Art "theme song" wurde die Stan-Brenders-Komposition "Kapriziöse Trompeten" (Track 19), eine virtuose Improvisation für drei Trompeten und Solo. In Stakkato-Unisono-Passagen zeigen die Bläser ihr technisches Können im Teamwork, das durch brillante Solistik von Georges Clais und Rhythmuswechsel im treibenden Schlagzeug durchbrochen wird. In drei Versionen hat die Band dieses Stück aufgenommen, von denen hier die Brunswick-Platte, die auch in Deutschland noch im Herbst 1943 veröffentlicht wurde, vorliegt. Die letzte Plattensitzung von Stan Brenders erfolgte im Dezember 1943 in Brüssel für das Label "Rythme". Als großes Belgisches Jazz-Sinfonie-Orchester nahm das verstärkte Orchester in fast klassischer Besetzung mit zwölf Geigen, drei Bratschen, vier Celli, zwei Bässen, Oboe und Harfe eine Reihe von Titeln auf, die neben Eigenkompositionen auch eine sinfonische Bearbeitung des Hoagy-Carmichael-Klassikers "Stardust" in 7 einem Minuten Arrangement präsentiert: Als "Poussière d'étoile" mit unverfänglichem französischen Titel versehen, konnte die Platte die Zensur der deutschen Besatzer passieren... Das Stück "Avalanche" (Track 21) fällt in seiner Dynamik aus den meist sweet gehaltenen Titeln heraus: In modernem sinfonischen Stil, wie er damals bei europäischen Rundfunkorchestern gerne gepflegt wurde, präsentieren sich einzelne Soli und Ensemblespiel der Bläsersätze über einem perfekt akzentuiert gespielten Hintergrund der Strings. Treibender Rhythmus und Hotsolistik kontrastieren mit der scharfen Lieblichkeit dieses Filmmusik anmutenden Stückes. Große Namen wie Albert Brinkhuyzen an der Posaune und Janot Morales an der Trompete tauchen in der neuen Besetzungsliste auf. Anschließend, mit der Befreiung Belgiens durch die US-Truppen, wurde es still um Stan Brenders. Er wurde der Kollaboration beschuldigt und vollständig boykottiert. Es gab Gerüchte, er habe in Deutschland gespielt, was aber - anders als bei seinen Bandleader-Kollegen Fud Candrix oder auch Jean Omer - nicht zutrifft. Verhandlungen über ein Konzert in der Berliner "Scala" wurden in Folge der deutschen Erklärung des "Totalen Krieges" und daraus resultierender Schließung sämtlicher Theater abgebrochen. Stan Brenders Versuche, in der Nachkriegszeit wieder eine Bigband zusammenzustellen, scheiterten daran, daß er keine Engagements mehr fand und so in kleiner Formation als Pianist Tanzmusik spielte. Ähnlich wie einige seiner Kollegen in Belgien, Holland, Frankreich hoffte er auf Rehabilitation, die ihm allerdings verwehrt wurde. Gesundheitlich schon sehr angeschlagen, eröffnete Stan Brenders 1953 in Brüssel eine Pianobar mit Namen "L' Archiduc". Dort war er allabendlich als Pianist anzutreffen. Obwohl in jenen Jahren einige seiner Kompositionen auch von Nat King Cole ("I Envy") und Alice Babs gesungen wurden, hat er nie wieder an den Ruhm seiner Glanzzeit anknüpfen können. In den sechziger Jahren besann man sich auch in Belgien wieder der großen Musiker und Bands, die den Swing prägten. So wurde Stan Brenders mehrfach interviewt, erzählte ausführlich von seiner Musik in den Jahren des Swing und in den schweren Jahren des Krieges. Die Folge war, daß er 1966 wieder eine eigene Rundfunksendung bekam, die ein Jahr lang erfolgreich über den Äther ging. Danach war er wieder im "L' Archiduc", bis er trotz einer Augenoperation erblindete. Zurückgezogen verstarb Stan Brenders am 01. Juni 1969 mit nur 65 Jahren. Seine Musik, seine Arrangements und Kompositionen, in Auswahl auf dieser CD versammelt, würdigen einen der großen Belgischen Bandleader, dessen letzte Lebensperiode äußerst schwer war und der es verdient, heutzutage wieder entdeckt und geehrt zu werden. (Copyright: Stephan Wuthe, Februar 2005). Aus Liste: Musik: Tonträger - CD / CDs, Preis: 16.50 EUR
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